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Wege aus der prekären Beschäftigung

Jusos diskutieren über die dramatische Fehlentwicklung auf dem Arbeitsmarkt

Bad Hersfeld. Die Jusos aus Hersfeld-Rotenburg führten am Donnertag, 25. Oktober, erstmals einen Informationsabend unter dem Motto “Dürfen die das?” durch, zu dem öffentlich eingeladen wurde. So diskutierten am Donnerstagabend zahlreiche Gäste mit dem ver.di-Rechtssekretär Stefan Menz sowie Vertretern örtlicher Betriebsräte, Jugend- und Auszubildendenvertretungen und betroffener Arbeitnehmer über befristete Beschäftigungsverhältnisse.

Im Vordergrund standen dabei die rechtlichen Rahmenbedingungen, sowie die Erfahrungen in der täglichen Arbeit der Personalvertretungen. Dabei wurden die erheblichen Fehlentwicklungen auf dem Arbeitsmarkt und die neuen Herausforderungen, die zu bewältigen sind, sichtbar.

So nehmen zeitlich befristete Arbeitsverhältnisse deutlich zu. Häufig werden diese ohne Sachgrund abgeschlossen und durch Einstellungen bei diversen Tochterfirmen so lange wie möglich gehalten. „Es gibt für den Arbeitgeber die Möglichkeit, mit Sachgrund zu befristen, z.B. bei Saisonarbeit oder Schwangerschaftsvertretung und die Probezeit von sechs Monaten zu nutzen, um herauszufinden, ob ein Arbeitnehmer wirklich zum Unternehmen passt. Sachgrundlose Befristung, die bis zur Dauer von zwei Jahren möglich ist, hingegen hat vor allem den Zweck, möglichst viel Druck auf die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen auszuüben“, erklärt Menz. Hinzu kommt die Ausweitung von prekären Beschäftigungsverhältnissen durch Leiharbeit, Werkverträge, unbezahlte Praktika oder Beschäftigungen im Niedriglohnsektor. Es ist Aufgabe der Politik dies zu verhindern, sind sich die Jusos einig.

Ohne eine aktive Arbeitsmarktpolitik droht eine dauerhafte Spaltung des Arbeitsmarktes. Einerseits besteht Fachkräftemangel, andererseits verhärtete Langzeitarbeitslosigkeit sowie unsichere und schlechte Arbeitsbedingungen. Das hat für die Arbeitnehmer nicht nur finanzielle Probleme zur Folge, auch persönliche Entscheidungen, wie etwa die Familienplanung, werden negativ beeinflusst.

Nach Auffassung der Jusos muss eine steigende Beschäftigung nicht prekär und neue Jobs nicht mit Dumpinglöhnen, Befristungen ohne Sachgrund, Leiharbeit oder erzwungener Teilzeitarbeit verbunden sein. Im Gegenteil: „Die Abwanderung gut qualifizierter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist ein deutliches Zeichen, dass wir eine neue Ordnung für Arbeit brauchen“, so die Juso-Unterbezirksvorsitzende Tabea Heipel abschließend.

Bildunterschrift: Von links nach rechts: Tabea Heipel (Vorsitzende der Jusos Hersfeld-Rotenburg), Oliver Schmolinski (stellvertretender Vorsitzender der Jusos Hessen-Nord), Tobias Heipel (Vorsitzender der JAV beim Landratsamt Hersfeld-Rotenburg), Daniela Suttner (Fachbereichssekretärin bei verdi), Stefan Menz (Rechtssekretär bei verdi), Jens Weißgerber (betroffener Arbeitnehmer).

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